L-05 Labs-Projekt

Hüni — KI-Gemeindeassistent

KI-Gemeindeassistent für Hünenberg. RAG-basierter Chat mit Halluzinations-Stopp, Quellenangaben und Schweizer Datenhoheit.

Konzept
Hüni — KI-Gemeindeassistent — Mockup-Vorschau

Problem

Bürgerinnen und Bürger verlieren Zeit beim Suchen amtlicher Informationen auf tief verschachtelten Gemeindewebsites. Hünenberg betreibt zwar einen modernen Online-Schalter und die eZug-App, doch die häufigsten Anfragen (Adressänderung, Hundeanmeldung, Abfallkalender) führen weiterhin zu Telefonaten oder Schalterbesuchen.

Kommerzielle Chatbot-Lösungen sind für eine Schweizer Gemeinde ungeeignet: sie halluzinieren bei Wissenslücken, verarbeiten Daten ausserhalb der Schweiz und liefern keine verlässlichen Quellenangaben. Statische FAQs wiederum skalieren nicht auf die Bandbreite realer Bürgerfragen.

Lösung

Hüni ist ein KI-Gemeindeassistent auf Basis von Retrieval-Augmented Generation (RAG). Die Wissensbasis besteht ausschliesslich aus verifizierten Quellen der Gemeinde: Reglemente, Sitemap, Online-Schalter, Abfallkalender.

Ein strikter System-Prompt erzwingt drei nicht verhandelbare Regeln: Quellenangaben bei jeder inhaltlichen Antwort, aktive Verweigerung der Verarbeitung von Personendaten, und ein harter Halluzinations-Stopp — wenn die Wissensbasis eine Frage nicht beantwortet, wird konsequent an die Gemeindekanzlei eskaliert.

Architektur: Hosting vollständig in der Schweiz, DSG-konforme Auftragsverarbeitung. Geschätzte Betriebskosten für eine Gemeinde mit 9'000 Einwohnern: CHF 200–400 monatlich.

Zielgruppe

Primär:

  • Schweizer Gemeinden mittlerer Grösse (5'000–25'000 Einwohner)
  • Kantonale Verwaltungen mit Fokus auf Bürgerservices
  • Gemeindekanzleien mit hohem Volumen wiederkehrender Anfragen

Sekundär:

  • Gemeinden mit hohem Anteil internationaler Bevölkerung (Mehrsprachigkeitsbedarf)
  • Gemeindeverbände, die Shared-Service-Modelle aufbauen
  • GovTech-Anbieter als White-Label-Komponente

Tech Stack

KI-Sprachmodell (LLM) Retrieval-Augmented Generation (RAG) JavaScript (Vanilla) HTML5 / CSS3 Serverless API Proxy Vector Database Schweizer Cloud-Hosting Python (Sitemap-Crawler) eZug API (geplant / planned)

Compliance

revDSG 2023 (Schweizer Datenschutzgesetz) EU AI Act — Risikoklasse: limited ISO 27001 (über Schweizer Hosting-Partner) WCAG 2.1 AA (geplant) eCH-0014 (Schweizer eGov-Standard, geplant) BGEID (geplant) OECD AI Principles 2019

Roadmap

Q2 2026 — Pilot

Funktionsfähiger Prototyp mit kuratierter Wissensbasis (≈30 Einträge), browserbasiertem Widget und Offline-Mirror. Halluzinations-Tests gegen Edge Cases. Stakeholder-Demo vor Gemeinderat Hünenberg.

Q3 2026 — Backend

Cloudflare Worker als API-Proxy. Vektor-DB (Qdrant, Schweizer Hosting). Sitemap-Crawler für automatischen Ingest. Friendly-User-Test mit 50 Hünenbergerinnen und Hünenbergern.

Q4 2026 — Go-Live

Produktiv-Launch auf huenenberg.ch. Analytics-Dashboard für die Verwaltung (häufigste Fragen, Eskalationsraten, Nutzungsmuster). Iterative Verfeinerung der Wissensbasis.

2027 — Skalierung

Adoption durch 2–3 weitere Zuger Gemeinden. Vollständige Mehrsprachigkeit (FR / IT / EN). Integration eZug-eID für persönliche, authentifizierte Auskünfte.

Literatur & Referenzen

  • Lewis, P. et al. (2020): Retrieval-Augmented Generation for Knowledge-Intensive NLP Tasks. arXiv:2005.11401.
  • Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter (EDÖB): Leitfaden zum Einsatz von KI in der öffentlichen Verwaltung, 2024.
  • Bundeskanzlei: Strategie Digitale Verwaltung Schweiz 2024–2027.
  • Kanton Zug: eZug — Digitale Verwaltung 2026, Strategiepapier.
  • OECD (2023): Recommendation on Artificial Intelligence — Public Sector Application.

FAQ

Wie verhindert Hüni Halluzinationen?
Hüni darf nur auf Basis der bereitgestellten Wissensbasis antworten. Findet sich keine offizielle Quelle, lautet die Antwort standardisiert: "Dazu liegen mir keine offiziellen Daten vor. Bitte wenden Sie sich an die Gemeindekanzlei." Diese Regel ist im System-Prompt nicht überschreibbar.
Werden persönliche Daten verarbeitet?
Nein. Hüni weigert sich aktiv, Personendaten (Namen, AHV-Nr., Steuernummern, Kontonummern) zu verarbeiten und fordert deren Löschung. Die Wissensbasis enthält ausschliesslich öffentliche Gemeindedokumente.
Wo werden die Daten gehostet?
Alle Daten werden in der Schweiz gehostet und unterliegen ausschliesslich dem Schweizer Datenschutzgesetz (revDSG). Die Wissensbasis enthält nur öffentliche Gemeindedokumente — keine Personendaten.
Wie aktuell ist die Wissensbasis?
Im Pilotbetrieb wird die Wissensbasis manuell gepflegt. Für die Produktion ist ein nächtlicher Sitemap-Crawler vorgesehen, der huenenberg.ch automatisch reindexiert. Statische PDFs werden bei Versionsänderung neu ingestiert.
Was kostet der Betrieb?
Geschätzt CHF 200–400 monatlich für eine Gemeinde mit 9'000 Einwohnern bei moderater Nutzung (≈3'000 Anfragen pro Monat). Hauptkostenpunkte: Anthropic API-Aufrufe, Vektor-DB-Hosting, Cloudflare-Plan.
Können andere Gemeinden Hüni adoptieren?
Ja. Die Architektur ist gemeindeneutral. Adaption für eine zweite Gemeinde dauert typischerweise ein bis zwei Wochen: Wissensbasis tauschen, Branding anpassen, System-Prompt re-konfigurieren.
Was passiert bei rechtsverbindlichen Anfragen?
Hüni gibt explizit keine rechtsverbindlichen Auskünfte und verweist bei jedem entsprechenden Verdacht konsequent an die Gemeindekanzlei. Diese Einschränkung ist transparent im Disclaimer kommuniziert und im System-Prompt verankert.
Welches Sprachmodell wird verwendet?
Claude Sonnet 4 von Anthropic, gewählt wegen exzellenter Schweizerdeutsch- und Hochdeutsch-Fähigkeiten sowie EU-Hosting. Das System ist modell-agnostisch — ein Wechsel zu Mistral, Aleph Alpha oder anderen europäischen Anbietern ist vorbereitet.
Case Study

Case Study

Eine Schweizer Gemeinde mit 9'000 Einwohnern testet einen KI-Assistenten, der Bürgerservices rund um die Uhr verfügbar macht — ohne die Risiken kommerzieller Chatbots.

Hünenberg gehört zu den digital fortschrittlichsten Gemeinden des Kantons Zug. Mit der eZug-App, einem etablierten Online-Schalter und einer aktiven Energiestadt-Gold-Strategie ist die Basis-Digitalisierung längst erledigt. Die nächste Frage: Wie können KI-Werkzeuge Bürgerservices vertiefen, ohne kantonale Standards der Datenhoheit und Rechtssicherheit zu kompromittieren?

Die Hypothese

Ein eng kuratierter RAG-Bot, gespeist ausschliesslich aus offiziellen Gemeindedokumenten und mit hartem Halluzinations-Stopp, könnte die häufigsten Bürgeranfragen — Adressänderung, Hundeanmeldung, Abfallkalender — ohne menschlichen Aufwand beantworten und komplexe Anliegen sauber an die Verwaltung eskalieren.

Der Prototyp

In 14 Tagen entstand ein vollständig funktionsfähiger Prototyp mit 30 Wissensbasis-Einträgen, browserbasiertem Widget und expliziten Halluzinations-Tests gegen typische Schwächen von Konsumenten-KI ("Welche Lottozahlen kommen am Samstag?"). Das System hält sich strikt an Quellenangaben und verweist konsequent auf die Gemeindekanzlei, wenn keine offizielle Quelle vorliegt.

Der Weg zur Produktion

Der Pilot ist als modulare Architektur konzipiert: ein Sitemap-Crawler ersetzt die manuelle Wissensbasis, ein API-Proxy löst die Sicherheit, die Vektor-Datenbank wahrt die Datenhoheit. Alle Daten in der Schweiz, DSG-konform. Geschätzte Betriebskosten: CHF 200–400 monatlich für eine 9'000-Einwohner-Gemeinde.

Der entscheidende Unterschied zu Chatbase und kommerziellen Lösungen: Hüni darf nicht improvisieren. Was nicht in der Quelle steht, wird nicht gesagt.

Weitere Projekte

Was bauen wir gemeinsam?

Dieses Projekt ist Teil unserer Lab-Forschung. Wenn du Ähnliches brauchst — eigenes AI-Tool, Dashboard, Custom-Workflow — sprich mit uns. Jedes Projekt beginnt mit einer ehrlichen Einschätzung, kein Sales-Pitch.